Ein alter Mann trug eine Last auf seinem Rücken. 

Ein junger Mann, welcher neben ihm ging, fragte:

>>Was ist Dir an der Last, das Du sie trägst. Nimm sie herab, 

schau ob Du ihrer bedarfst und schleppe sodann nur das Nötigste, 

anstatt Dich zu plagen mit unnötigem Ballast, der nur Deine Seele erschwert. 

Von hier aus erkennt mein Auge schon, das Du Deinem Rücken mehr zutraust, 

als ein Esel zu tragen vermag<<

 

Der alte Mann stoppte seinen Gang, nahm die Last von seinem Rücken und stützte sich darauf. 

Nach ein paar Augenblicken sagte er zu dem jungen Mann: 

  >>Was ist an meiner Last, das Deine Augen ihrer begehren. Wenn ich mich nicht vollends irre, 

so trage ich auf meinem Rücken eine Last, die wahrhaftig nicht die Meinige ist, 

wenn ich sie nicht selbst zu der Meinigen gemacht hätte. 

Was aber geht es Dich an, mein Junge? 

Was kümmert Dein Auge meines Rückens Last<<

 

Junger Mann:

>>Wenn Du selbst es weißt, wie dumm willst Du noch werden, 

bis Deine Stärke vergeht und vor der Erkenntnis die Schwäche Deinen Weg beendet. 

Schau mich an, der frei ist in seinem Tun, der nur trägt, was seine Vernunft ihn tragen lässt 

und der darob einen geraden Rücken behält und dazu noch eine frohe Mine besitzt. 

Ich freue mich des Lebens und wähne die Sonne mir nah, so als schiene sie nur für mich. 

Manches mal ist mir gar zum tanzen zumut, um soviel bin ich leichter als Du.<<

 

Der alte Mann entgegnete:

  >>Komm‘ der Sonne nicht zu nah, mein Freund. Was dünkt Dich so sicher, 

das Deine Flügel der Sonnenwärme widerstehen. Was dünkt Dich so sicher, 

das Du derjenige bist, der die Größe Deiner Last beurteilt. 

Vielleicht bin ich Dir gegeben, damit Du nicht alles tragen musst vor der Zeit, 

die Dich stark genug für sie sein lässt. Vielleicht ist es nicht meine Last, 

sondern die Deines gesamten Lebens, die Du jetzt aber noch gar nicht tragen könntest. 

Dein Begleiter bin ich und trage Deine Last nun zu der Meinen. 

Der Betrachtung wegen trag ich sie und will nicht Dumm geheißen werden. 

Weder von dem einen, noch von einem andern. 

Bevor Du einen Mensch dümmlich nennst, denke, er ist ein Teil von Dir.<<

 

Daraufhin verschwand der alte Mann vor seinen Augen und ließ ihn allein zurück. 

Übrig blieb dem jungen Manne die Last nur noch, die er als die Seinige erkennen musste.

 

Und die Stimme des alten Mannes sprach noch einmal zu ihm

 

>>Das Ganze ist im Menschen schon vorhanden, die Schöpfung ist bereits geschehen. 

So wie Du aus Gott heraus in diese Welt gestellt, so kannst Du Dein Inneres besehen. 

Alle Deine Schöpfung findet seinen Ursprung in dem Wesenskern des Einen, 

der sich sowohl in Deinem Sein als auch in Deiner Handlung wiedererkennen will. 

Wir sind das Innere Gottes!

Und wie auch er selbst besitzt Du die Gabe des freien Willens und des Schöpfens und bist somit selber Gott. 

Aber erkenne Dein Sein nicht in der Herrschaft sondern im Dienen in der Liebe. 

Diese lässt erfühlen, das wir alle aus dem Einen und untrennbar aus Gott. 

Und dieses ist es, das wir uns selbst noch sind sehr fern, das uns das Gegenüber fremd 

und uns nicht zugehörig scheint. Erkenne Dich , und Du wirst mir näher sein, als Du Dich je der Sonne wähntest.

Gehe weiter nun mein Freund, Deine Last will ich tragen, auch wenn Du es nicht gleich wohl merkst. 

Zur rechten Zeit jedoch werd' Dir erscheinen und ein Teil der Last Dich erreichen aus Deines Bruders Hand. 

Je mehr Du Dich erkennst, umso leichter wird mein Gang. Und alsbald werd ich tanzen - mit Dir Hand in Hand<<